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"Entscheidend für einen Transfer ist das Gespräch mit dem Spieler!"

Unser Sportdirektor Markus Krösche spricht im Interview über die vergangene Transferphase, seinen Austausch mit Julian Nagelsmann und seine gelassene Art.

Markus, die Kaderplanung ist abgeschlossen, nun wartet auf uns ein volles Programm mit zunächst sieben Spielen in 21 Tagen. Das vergangene Wochenende war für dich sicherlich seit Langem ein eher ruhiges …

Das stimmt. Es waren nach einer sehr intensiven Zeit tatsächlich ein paar sehr erholsame Tage, die ich in Ruhe zusammen mit meiner Familie verbracht habe. Jetzt freue ich mich sehr auf die anstehenden Aufgaben. Der Saisonstart ist uns gelungen, wir haben eine gute und spannende Mannschaft und tolle Spiele vor uns.

Für einen Sportdirektor sind Transferfenster die intensivsten Phasen. Bist du ein Typ, der gut abschalten kann oder nimmst du offene Themen mit in den Schlaf?

Es ist schon so, dass mich die Themen immer beschäftigen. Meine Aufgabe ist es, diese Dinge hinzubekommen und die beste Lösung zu finden – darum kreisen die Gedanken. Aber es ist in diesem Job normal, dass man solche Aufgaben auch mit nach Hause nimmt, denn es geht natürlich immer um sehr viel. Wir haben anspruchsvolle Ziele und müssen sehr wichtige und weitreichende Entscheidungen treffen. Deshalb ist es auch gut, so intensiv darüber nachzudenken.

Was bringt dich in so einer fordernden Phase doch mal auf andere Gedanken?

Im normalen Tagesgeschäft kann ich zu Hause immer sehr gut durchpusten. Dafür brauche ich kein spezielles Hobby oder Ähnliches. Die Zeit mit meiner Frau, meinen beiden Kindern und unserem Hund ist meine Abschalt-Oase, wo wir immer über viele andere Sachen als über Fußball sprechen.

Belohnst du dich selbst in irgendeiner Form, wenn ein Transfer geklappt hat?

(lacht) Nein, denn das ist ja mein Job und steht auch so in meiner Jobbeschreibung. Sicherlich gehe ich nach einer abgeschlossenen Transferperiode mal gut essen und gönnen mir ein Glas Wein – so wie am vergangenen Wochenende. Aber das war es dann auch schon.

Mit Josep Martínez, Benjamin Henrichs, Hee-chan Hwang, Lazar Samardžić, Alexander Sørloth und zuletzt Justin Kluivert konnten wir sechs neue Spieler holen, dazu Angeliño erneut ausleihen. Wie fällt dein Transferfazit aus?

Wir haben junge Spieler mit viel Potenzial für uns gewinnen können. Ich denke, dass wir einen sehr guten Kader haben. Alle Positionen sind doppelt besetzt, wir haben eine hohe Variabilität in allen Mannschaftsteilen und eine gute Altersstruktur im Team. Hee-chan Hwang, Josep Martínez, Benjamin Henrichs, Alex Sørloth und Justin Kluivert sind zudem junge Spiele, die schon viel Erfahrung – auch international – gesammelt haben. Und die Jungs haben in ihrer Karriere schon einige negative Dinge erlebt. Das ist wichtig für die Entwicklung der Spieler und wichtig für unser Team, um mögliche Rückschläge einordnen und bewältigen zu können. Und eins möchte ich besonders betonen!

Das wäre?

Wir haben einfach auch ein sehr gutes Trainerteam mit einem sehr guten Cheftrainer. Alle Spieler haben sich unter Julian super entwickelt und einen Schritt nach vorn gemacht.

Wie reagiert Julian Nagelsmann, wenn ein Transfer final über die Bühne gegangen ist?

Julian ist immer über jeden Schritt und den groben Stand informiert. Er weiß also, in welchem Status wir uns befinden, wie sich Ideen und Dingen entwickeln. Der Austausch findet auf einer sehr lockeren Basis mit dem einen oder anderen flapsigen Spruch statt.

Welchen Spruch hast du kassiert, nachdem der doch sehr zähe Sørloth-Transfer durch war?

(lacht) Julian meinte nur: „Da haste ja nochmal Glück gehabt!“

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Schwierige Transferverhandlungen finden ein glückliches Ende: Alexander Sørloth unterschreibt bei RB Leipzig

War es deine bislang schwierigste Verpflichtung?

Auf jeden Fall, zumal die Verpflichtung zwischenzeitlich auch zu scheitern drohte. Das Schwierigste war sicherlich, Trabzonspor zu überzeugen, seinen besten Spieler abzugeben. Da wurden schon viele emotionale Gespräche geführt. Ich glaube nicht, dass ich noch oft Transfers erleben werde, die in einer solchen Konstellation mit drei Vereinen stattfinden werden. Es ist schon mit zwei Parteien nicht einfach, sich in diesem Fall mit drei Parteien zu einigen, war umso schwieriger. Davon werde ich auch in 30 Jahren noch erzählen. Natürlich war ich sehr froh, als dann alles unterschrieben war und die Dinge so funktioniert haben, wie wir es uns vorgestellt hatten.

Du hast betont, dass es dir immer auch wichtig ist, den Menschen hinter dem Sportler kennenzulernen. Wie machst du das?

Entscheidend ist immer das Gespräch miteinander. Darüber finde ich heraus, wer dieser Spieler eigentlich ist. Wie ist sein privates und familiäres Umfeld, welche Interessen hat er, wie sind seine Ansichten zu bestimmten Themen. Man kennt einen Spieler sportlich und fußballerisch, hat jede Menge Bilder und Statistiken, doch es geht auch immer darum, wie ein Spieler bei uns in die Gruppe passt und uns durch seine Persönlichkeit helfen kann. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es gut funktioniert.

Was gut funktioniert, ist das Zusammenspiel unserer neu aufgestellten sportlichen Leitung mit dir, Christopher Vivell und Florian Scholz. Wie genau sieht die Zusammenarbeit aus?

Wir haben uns sehr schnell aufeinander eingestellt und tauschen uns – gerade was Transfers betrifft – sehr intensiv aus. Jeder von uns hat unterschiedliche Aufgabenfelder und Verantwortungsbereiche, wie z.B. den finanziellen Part, die sportliche Einschätzung oder administrative Themen. Die Dinge ändern sich in einer Transferperiode sehr schnell und wir müssen uns immer wieder an neue Gegebenheiten anpassen und optimale Lösungen finden. Da schaffen wir als Team sehr gut. Durch diese neue Konstellation konnte ich viele Themen, die bis dahin bei mir lagen, abgeben oder auf mehrere Schultern verteilen. Das erspart mir Zeit und ich kann andere Themen vorantreiben. So können wir in unserer strategischen Ausrichtung viel schneller parallele Prozesse anschieben.

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Sportdirektor Markus Krösche (re.) im Gespräch mit Florian Scholz (li., Kaufmännischer Leiter Sport und CMO): Ein Team, das funktioniert.

Du wirkst immer sehr gefasst und gelassen; Julian Nagelsmann ist ja eher ein emotionaler Typ. Wann würdest du mal so richtig ausflippen?

Ich bin ein sehr rationaler Typ und lebe nicht in Extremen. Wenn wir sehr erfolgreich sind, bin ich nicht überschwänglich und wenn es mal nicht läuft, ist bei mir nicht alles schwarz. Ich will nicht emotional, sondern neutral bewerten, das hilft mir. Ich kann auch emotional und laut werden – aber da muss schon viel passieren. Ich versuche die Dinge immer mit einer gewissen Ruhe, Neutralität und Sachlichkeit zu sehen. Da sind Julian und ich auch sehr unterschiedlich. Aber das ist gar nicht so schlecht. Um mich aus der Ruhe zu bekommen, muss schon etwas Extremes passieren und mir etwas sehr Ungerechtes gegen den Strich gehen.

Welche Erwartungen und Ziele hast du für die neue Saison?

Wir wollen wieder in die Champions League und natürlich nicht schlechter abzuschneiden als in der Vorsaison – also im besten Fall mindestens wieder Dritter werden. In der Champions League wollen wir die Gruppenphase überstehen, denn wir alle haben erlebt, wie geil die K.o.-Runde ist. Und im DFB-Pokal möchten wir ein, zwei Runden mehr überstehen als 2019/20. RB Leipzig konnte schon ein Pokalfinale erleben, ich wäre auch gern mal dabei.

Abschließend noch eine sportlich-persönliche Frage: Du hast als Profi im defensiven Mittelfeld gespielt. Gibt es einen Spieler, der dich an dich erinnert?

(lacht) Nein, nein! Den Sport, den ich als Profi-Fußballer betrieben habe gibt es nicht mehr. Was die Jungs heute machen, ist eine andere Sportart und hat nichts mehr miteinander zu tun. Deshalb kann ich auch keinen Krösche-Verschnitt sehen.

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Sportdirektor Markus Krösche ...
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... während des Final-Turniers der UEFA Champions League.
Missão Final - Die Dokumentation unserer Champions-League-Reise

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RBL-Sportdirektor Markus Krösche äußert sich zur Auslosung der Champions-League-Gruppenphase. Die Roten Bullen treffen in Gruppe H auf Paris Saint-Germain, Manchester United und İstanbul Başakşehir.

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