MENÜ

„Es ist eine angespannte Situation für uns alle"

RB Leipzig Geschäftsführer Oliver Mintzlaff über die Lage der Bundesliga, die Verantwortung der Klubs, die Verschiebung der EM, Einschnitte bei RB Leipzig und soziale Unterstützung

RB Leipzig Geschäftsführer Oliver Mintzlaff hat sich in der derzeitigen Lage rund um das Corona Virus u.a. zur aktuellen Lage der Bundesliga, der Verantwortung der Klubs, die Verschiebung der Europameisterschaft, Einschnitte bei RB Leipzig, soziale Unterstützung und weiteren Themenpunkten geäußert.

Oliver Mintzlaff über ...

... Die Lage der Liga:

  • „Ich gehe nicht davon aus, dass wir in drei Wochen zur Normalität zurückkehren werden. Dementsprechend gehe ich auch nicht davon aus, dass wir in drei Wochen gut gelaunt in einem ausverkauften Stadion wieder Fußball spielen werden. Die Situation wird weiterhin angespannt bleiben. Wir haben am Montag erst einmal nur beschlossen, auch den 27. Spieltag aussetzen zu lassen. Anschließend werden die Vereine noch einmal zusammenkommen und beraten, wie es weitergeht. Das wird selbstverständlich davon abhängen, wie weit sich das Corona Virus ausgebreitet und welche weiteren Maßnahmen die Bundesregierung ergriffen hat. Daran werden wir uns orientieren müssen."
     

... Die Verantwortung der Klubs:

  • „Herr Seifert hat es richtig gesagt: Am Ende des Tages sind viele Vereine mittelständische Unternehmen, die zwischen 250 und 800 Mitarbeiter beschäftigen. Wir müssen für diese Unternehmen Verantwortung übernehmen. Denn umso länger diese Phase geht, desto existenzbedrohender wird sie für einige Vereine. Wir können alle nur hoffen, dass wir – wenn es die Situation auch nur irgendwie – die Bundesliga-Saison zu Ende spielen. Ein Abbruch hätte massive wirtschaftliche Einschnitte. Es gäbe dann möglicherweise den einen oder anderen Klub, der ein größeres Problem hätte."

... Die Verschiebung der Europameisterschaft:

  • „Die Liga hat nun etwas mehr Zeit. Ob wir die Saison zu Ende spielen können, hängt jedoch nicht von der Verschiebung der EM, sondern von der Weiterentwicklung der Pandemie ab. Keiner von uns ist Experte oder Virologie. Keiner von uns hat eine solche Situation bereits erlebt. Es ist folgerichtig, dass die EM verschoben worden ist. Alles andere wäre völliger Wahnsinn und gar nicht durchführbar gewesen. Wir haben nun die Flexibilität, die Saison bis zum 30. Juni durchführen zu können."
     

... Trainingseinheiten:

  • „Stand jetzt ist geplant, dass wir uns am Freitag treffen und die Mannschaft über die nächsten Schritte informieren. Noch vor acht Tagen stand wir im Champions-League-Achtelfinale. Was sich dann innerhalb der vergangenen Woche entwickelt hat, ist sehr dramatisch. Unsere Spieler hatten seitdem eine Aktiv-Pause, bekamen für zu Hause Laufpläne mit, um sich weiter fit zu halten. Unser Trainerteam bespricht aktuell zusammen mit Markus Krösche wie das Training genau aussehen wird. Ob und wie trainiert wird, steht noch nicht fest.

    Wir haben gegenüber unseren Spielern und ihren Familien eine Verantwortung. Wir nehmen die Rolle, die wir als Fußballklub in der Gesellschaft einnehmen, ernst und gehen nicht leichtfertig mit der Situation um. Wir sagen bestimmt nicht: Uns kann nichts passieren und wir können nun tun und lassen, was wir wollen. Wir überlegen, wie wir Risiken minimieren können. Wie schaffen wir es, dass es nicht zu viele Kontakte gibt. Wie viel Mann werden vom Trainerstab benötigt? Kann unser Videoanalyst möglicherweise von Zuhause aus arbeiten? Für uns alle ist das eine Extremsituation, mit der wir uns auseinandersetzen und so wenig Fehler wie möglich generieren müssen."
     

... Einschnitte bei RB Leipzig:

  • „Wir beschäftigen mehr als 400 Mitarbeiter. Oberste Priorität ist es, dass wir keine Personaleinschnitte vornehmen müssen. Wir haben in den vergangenen Tagen ein Maßnahmen-Paket beschlossen, das drastische Kürzungen und Einsparungen sowie Streichungen von Investitionen und strategischen Kampagnen, die aktuell keine Notwendigkeit haben, vorsieht. Damit wir gemeinsam als Team durch diese schwierige Phase gehen können.

    Auch wir müssten bereits drastische Einschnitte vornehmen. Jeder, der weiterhin glaubt, dass Red Bull jedes Loch stopfen kann, liegt falsch. Irgendwann kann auch RB Leipzig die Aussetzung der Bundesliga nicht mehr wirtschaftlich auffangen. Wir werden fortan den absoluten Fokus auf das Kern-Business legen. Viele Themen müssen vorerst auf Eis gelegt werden. Wir werden für 2020 keine Neueinstellungen durchführen. Es ist eine angespannte Situation für uns alle. Aber: wir halten an dem Ziel fest, dass jeder Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz behält. An diesem Ziel werden wir uns auch weiter orientieren."

 

... Liquidität:

  • „Als Start-up haben wir bereits einige Kredite aufgenommen – das wäre für uns nicht neues. Wir rechnen gerade verschiedenste Szenarien aus. Sponsorenerlöse, TV-Gelder, Ticketing-Einnahmen – das alles fällt erst einmal weg. Es ist aktuell überhaupt nicht absehbar, wann die Bundesliga wieder so stattfindet, wie wir sie kennen. Wir stellen uns auf sämtliche Szenarien ein und überprüfen unsere Liquidität. Wir können logischerweise nicht auf unbestimmte Zeit alle Gehälter pünktlich überweisen, wenn die Einnahme ohne den Spielbetrieb auf Dauer ausbleiben. Das ist einfache Mathematik. Die gilt bei RB Leipzig genauso wie bei allen anderen Vereinen."

 

... soziale Unterstützung:

  • „Einschnitte bedeuten leider, dass wir jetzt sicher keine externen Ausgaben tätigen. Aber natürlich haben wir in dieser Stadt eine große Verantwortung, der wir uns auch bewusst sind und der wir uns in dieser Krisenzeit auch nicht entziehen wollen. Nur: wir müssen erst einmal unsere Hausaufgaben machen. Wenn wir unsere Situation in den Griff bekommen und stabilisiert haben, dann werden wir uns Gedanken machen, wie wir als großer Fußballklub in Leipzig anderen helfen können.  In Zeiten, wo man Solidarität zeigen muss, werden wir das auch tun. Nicht nur mit verbalen Floskeln, sondern mit Taten – die werden wir inhaltlich folgen lassen!"

 

Ähnliche Artikel

×