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Ruwen Faller: Athletiktrainer im Rampenlicht

RBL-Athletiktrainer Ruwen Faller im Interview: „Die aktuelle Situation ist für alle Beteiligten eine besondere Herausforderung!“ | „Der Fußballer ist kein Freund von Lauf- und Intervallbelastungen ohne Ball.“ | „Klar, dass man im ersten Spiel kein Feuerwerk abfackelt.“

Athletiktrainer im Rampenlicht. Im Dezember 2018 wechselte Ruwen Faller von Schalke 04 zu den Roten Bullen. Seitdem ist der frühere Sprinter und Olympionike für den Fitnesszustand unserer Jungs zuständig. Gerade in diesen Zeiten stehen der 39-Jährige und sein dreiköpfiges Athletik-Trainerteam besonders im Fokus. Ihre Mission: Unser Team für das Saisonfinale in Höchstform bringen.

Im Interview erzählt Ruwen Faller, wie sich die Roten Bullen auf den Re-Start vorbereitet haben, wie er das erste Spiel nach der Pause einordnet und warum er Sprintduelle mit unseren Spielern grundsätzlich meidet.
 

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Ruwen Faller im Gespräch mit Chefcoach Julian Nagelsmann und dem weiteren Trainergespann.

Ruwen, waren die letzten Wochen eine besondere Herausforderung für dich als Athletiktrainer?

Es ist für alle Beteiligten eine besondere Herausforderung, weil es etwas in der Form noch nicht gegeben hat. Da mussten wir uns alle erstmal mit arrangieren. Ich habe aber das Gefühl, dass wir das Beste aus der Situation gemacht haben. Wir haben versucht, es positiv zu sehen, dass man Stück für Stück immer mehr machen durfte. Als feststand, dass es weiterging, hat man den Jungs angemerkt, dass es für sie wichtig war, wieder ein Ziel zu haben.

Wie habt ihr die Jungs in der ersten Phase, als noch nicht an Training zu denken war, fitgehalten?

Wir haben verschiedene Stabilisations-, leichte Kräftigungs- und Spinningprogramme ausgearbeitet. Dazu hatten alle Spinning-Bikes zuhause und andere Geräte, wie eine Pulsuhr mit Brustgurt, um ihre Läufe aufzuzeichnen. Das geht eine Weile ganz gut, ehrlicherweise kann man das aber keine sechs bis acht Wochen machen. Der Fußballer ist kein großer Freund von Lauf- und Intervallbelastungen ohne Ball. Zum Glück wurden die Bestimmungen dann aber gelockert, sodass wir bald in Kleingruppen trainieren konnten.

Inwiefern unterscheidet sich das Training in Kleingruppen vom normalen Mannschaftstraining?

Das ist ein deutlicher Unterschied, weil sich die Mini-Gruppen auf kleineren Feldern aufhalten. Deshalb gab es anfangs viel Gewusel. Außerdem mussten wir die Belastung, die man normalerweise bei einem Elf-gegen-Elf auf dem Großfeld hat, über zusätzliche Laufbelastungen auffangen. Das kriegt man aber so natürlich nicht Eins-zu-Eins ersetzt. Insgesamt war der Sprung zum Kleingruppentraining gut, damit sich die Spieler wieder an den Ball gewöhnen konnten und ein bisschen Abwechslung hatten. Aber natürlich gleicht das nicht die Anforderungen aus, die man braucht, um perfekt auf ein Spiel vorbereitet zu sein.

Ihr hattet keine zwei Wochen Mannschaftstraining vor dem ersten Spiel. Hat das gereicht, um das Team optimal auf den Re-Start vorzubereiten?

Wir waren uns darüber einig, dass es so schnell wie möglich wieder losgehen soll, selbst wenn man dann nur anderthalb Wochen zur Vorbereitung hat. Das ist zugegebenermaßen nicht perfekt, aber es ging vor allem darum, dass der Spielbetrieb aufrechterhalten wird. Da muss man andere Dinge hintenanstellen, wie eben die Fitness oder die Bedingungen für eine optimale Performance zum Re-Start. Es ist klar, dass man im ersten Spiel kein Feuerwerk abfackelt und die Automatismen nicht zu 100 Prozent greifen. Das kommt dann hoffentlich im 2. oder 3. Spiel nach der Pause, wenn man den Rhythmus wiedergefunden hat.

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Alles im Blick: Ruwen Faller beobachtet unsere Jungs im Training ganz genau.

Wie fit kamen die Jungs aus der Pause? Sind sie schlussendlich mit genug Spritzigkeit in das erste Spiel gegangen?

Überraschenderweise haben das alle Teams in der Bundesliga ganz gut gemacht. Es gab ja durchaus interessante Spiele, bei denen es gut zur Sache ging. Da war ich positiv überrascht. Auch bei unserer Mannschaft konnte ich kein Defizit feststellen, da ging es eher um Automatismen und Abläufe. Das sind aber Dinge, die durch die Spielminuten und durch das Mannschaftstraining relativ schnell wieder zurückkommen. Alles andere ist nicht das Thema.

Besteht durch die lange Pause und die vermehrt anstehenden englischen Wochen eine erhöhte Verletzungsgefahr bei den Spielern?

Wir haben einen breiten Kader und auch im normalen Spielbetrieb englische Wochen. Von daher ist das grundsätzlich keine größere Belastung. Wie gewohnt werden wir bestmöglich auf die Spielbelastung eingehen und gerade bei anfälligen Spielern darauf achten, dass sie nicht alle drei Spiele einer englischen Woche über 90 Minuten machen. Es kann sicherlich trotzdem zu der ein oder anderen Verletzung kommen, aber die gibt es auch im normalen Spielbetrieb.

Gewinnt die Rolle des Athletiktrainers in diesen Zeiten umso mehr an Bedeutung?

In der ersten Phase waren die Athletiktrainer bei allen Klubs wahrscheinlich gefragter denn je. Das ist dem geschuldet, dass die Trainings, die absolviert werden durften, primär unseren Bereich betroffen haben. Das Athletiktraining hat aber auch im normalen Betrieb einen hohen Stellenwert, weshalb die meisten Vereine zwei bis drei Athletiktrainer haben.

Du warst selbst ein erfolgreicher Sprinter. Kannst du noch mit unseren Spielern mithalten?

Der Fußball wird immer athletischer und dementsprechend sprintlastiger. Gerade bei unserer jungen Mannschaft mit so viel Speed und Schnelligkeit wird es für mich von Jahr zu Jahr schwieriger mitzuhalten. Der Zahn der Zeit nagt an jedem, da muss ich mich mit abfinden (lacht).

Athletiktrainer Ruwen Faller zeigt euch in Folge 1 wichtige Übungen zur Stärkung der Körperspannung.

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