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"Wir haben es noch längst nicht geschafft!"

Unser Co-Trainer Moritz Volz im Interview vor der Partie gegen die Spurs | 125 Premier-League-Spiele für den FC Fulham | seit Sommer ein Roter Bulle

Seit Sommer ist Moritz Volz als Co-Trainer bei RB Leipzig. Ihn selbst zog es im Alter von 16 Jahren nach London (FC Arsenal) – von 2003 bis 2008 absolvierte er 125 Premier-League-Spiele für den FC Fulham. Vor seinem Wechsel nach Leipzig war er außerdem vier Jahre bei Tottenhams Stadtrivalen Arsenal London als Scout tätig.

Moritz, als Spieler des FC Fulham hast du dich mehrfach mit den Spurs duelliert. Gibt es darunter noch bestimmte Erinnerungen, die dieses ganz besonders für dich machen?

Es gab da mehrere prägende Erlebnisse. Als Zuschauer hab ich Ende der 90er Tottenham gegen Kaiserslautern im UEFA-Pokal gesehen. Ein paar Jahre später stand ich selbst auf dem Platz – ein überragendes Spiel an der White Heart Lane, das wir (Anm.: FC Fulham) mit 3:0 gewonnen haben. Dieses Schlüsselerlebnis hat uns damals einen gewaltigen Schub für den Rest der Saison gegeben. 2007 kam es dann aber auch mal zu einem komplett gegenteiligen Spiel, in dem ich meine erste Gelb-Rote Karte überhaupt kassiert habe. Blickt man auf all diese Erlebnisse zurück, ist die Partie definitiv eine besondere für mich. 

Lass uns noch mal kurz das Hinspiel Revue passieren. Wir haben mit 1:0 gewonnen und waren eindeutig die bessere Mannschaft – für dich eine Überraschung, oder war das absehbar?

Unser Auftritt in London war einer unserer stärksten seit ich hier bin. Dennoch wissen wir, mit wem wir es zu tun haben und, dass wir es noch längst nicht geschafft haben. Überrascht war ich über diese Leistung nicht – denn, das habe ich unseren Jungs zugetraut. Ich war aber sehr positiv erfreut. Wir stehen das erste Mal in einem Achtelfinale der Champions League. Uns fehlt noch die Erfahrung für solch ein wichtiges Spiel. Dass wir es dennoch so gut gemacht haben bei den Spurs, das war beeindruckend.

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Seit dem Sommer ist Moritz Volz als Co-Trainer von Julian Nagelsmann tätig. Der ehemalige Premier-League-Spieler arbeitete zuvor vier Jahre in der Scoutingabteilung des FC Arsenal.

Tottenham fehlen mit Son, Kane und Sissoko drei absolute Key-Player. Wie sehr merkt man das im Spiel der Spurs?

All diese Ausfälle machen sich natürlich bemerkbar. Gerade ein Harry Kane als Spielführer und Antreiber des Spurs-Spiels wäre allein mit seiner Präsenz enorm wichtig. Trotzdem hat das Team von José Mourinho stets eine enorme Qualität, die auch von der Bank kommen kann – das bleibt bei einem Top-Team der Premier League nicht aus. Gleichzeitig fehlen auch bei uns wichtige Leistungsträger wie Willi Orban, Ibrahima Konaté, oder Kevin Kampl, die wir schon lange kompensieren müssen.

Mit welcher Spielphilosophie wird das Team von José Mourinho aufgrund des 1:0-Rückstands ins Rennen gehen?

Man darf sich von dem Hinspiel-Ergebnis und den Resultaten der letzten Wochen nicht täuschen lassen. Dass das Team von José Mourinho eine extrem hohe Qualität hat, steht völlig außer Frage. Ich gehe davon aus, dass sich an der Herangehensweise nicht viel im Vergleich zum Hinspiel ändern wird. Für Tottenham wird es in erster Linie um das Verteidigen gehen, das Spiel eng zu halten. Um dann über die individuelle Qualität zu Chancen zu kommen.

Dennoch müssen wir natürlich auf den Fall vorbereitet sein, dass die Spurs ein komplett anderes Gesicht zeigen.
 Am Ende gilt für uns, den Fokus auf uns zu richten und unser Spiel erneut gut umzusetzen. Das war auch der Schlüssel zum Erfolg im Hinspiel.

Welche Rolle spielt in so einem wichtigen Duell die Erfahrung eines José Mourinhos?

Ja, er hat Erfahrung. In der Champions League und auch der jetzigen K.o.-Phase. Aber es fehlt ihm die Erfahrung gegen eine Mannschaft wie uns, die taktisch sehr variabel ist und auf die er jetzt zum ersten Mal in seiner Karriere trifft. Fur dieses Spiel macht ihn das daher nicht erfahrener.

Was ist für dich die Identität der Tottenham Hotspur?

Tottenham ist ein Verein mit einer großartigen Tradition, der in den letzten Jahren durch kontinuierlich gute Arbeit und Investitionen in die Strukturen wieder wettbewerbsfähig geworden ist. Ein Verein mit einem sehr treuen Anhang, der aufgrund der Lage im Norden Londons einen besonderen gesellschaftlichen Stellenwert mit sich bringt.
 Ich habe in den letzten Jahren gegenüber den Spurs eine extreme Anerkennung entwickelt, weil dort wirklich viele gute Entscheidungen getroffen wurden, die mich beeindruckt haben. Das Ganze hat sich sehr positiv auf dem Platz ausgewirkt, wo sich eine richtige Einheit entwickelt hat, mit starken Einzelspielern, die großteils zusammengehalten werden konnten ...

... Fur mich war es bereits ein absolutes Highlight, als Trainer nach London zurückzukommen. Wenn wir es heute noch ins Viertelfinale schaffen sollten, gerade gegen Tottenham, dann wäre das natürlich die Kirsche auf der Torte.
 

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