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Mario Basler: "Was Leipzig leistet, ist beeindruckend!"

Der frühere Bayern-Star spricht über den anstehenden Bundesliga-Kracher, schwärmt über die Spielweise unseres Teams und blickt voraus auf das "Gänsehaut-Erlebnis" Pokalfinale.

Mario, macht der FC Bayern am Samstag die Meisterschaft perfekt, oder kann RB Leipzig den Titelkampf noch mal spannend machen?

Die Leipziger möchten es bestimmt verhindern, dass der FC Bayern in ihrem Stadion die Meisterschaft feiert. Und ich glaube auch, dass der FCB vor einer sehr schweren Aufgabe in Leipzig steht. In den vergangenen beiden Partien in Nürnberg (1:1, Red.) und gegen Hannover (3:1) hat man gesehen, dass bei den Bayern derzeit nicht alles hundertprozentig funktioniert. Daher brauchen die Münchner eine deutliche Leistungssteigerung, um gegen RBL zu bestehen.

Nur 14 Tage später treffen sich beide Teams dann im DFB-Pokalfinale wieder …

Eine sehr interessante Konstellation. Die Leipziger spielen eine herausragende Saison und stehen erstmals in einem Finale. Sie haben nichts zu verlieren, können ganz befreit aufspielen. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Endspiel ein absolutes Fußball-Highlight wird. Aber schon am Samstag in der Liga erwarte ich eine tolle Partie.

Die Bayern lagen zeitweilig neun Punkte hinter Dortmund. Bist du überrascht, dass dein Ex-Klub nun doch wieder vor dem Titelgewinn steht?

Überraschend war für mich, dass die Dortmunder so einen Einbruch erlitten haben. Sie haben eine grandiose Vorrunde absolviert, dann aber ihren ganzen Vorsprung verspielt und unnötige Punkte liegen lassen – zuletzt in Bremen, als sie nach 2:0-Führung noch das 2:2 kassiert haben. Daher haben die Bayern nun eine so komfortable Ausgangssituation mit vier Punkten Vorsprung.

Wäre für den FCB dann der siebte Meistertitel in Folge …

Dieses Jahr gab es eine Riesen-Möglichkeit, dass nicht der FC Bayern, sondern ein anderer Verein Meister wird. In den nächsten Jahren wird es wohl nie mehr so einfach wie diese Saison, den Titel zu holen. Doch egal, wie weit der BVB schon enteilt war: Die Bayern sind immer drangeblieben und haben immer an sich geglaubt.

Du sprichst die typische „Mia san Mia“-Mentalität des FCB an?

Genau. Die Bayern wissen jederzeit um ihre Stärke. Und sie wissen, wenn eine andere Mannschaft Meister werden will, ist eine komplett außergewöhnliche Saison nötig – bloß ein gutes halbes Jahr reicht nicht. Und es schaffen nur die wenigsten Teams, ihre Leistungen über 34 Spieltage durchzuziehen. Das hat man diese Saison bei den Dortmundern ja gesehen. Das zeigt ebenso der Leipziger Saisonverlauf, nur in anderer Reihenfolge.

Wie meinst du das genau?

Wenn man die Vorrunde so gestaltet hätte wie die Rückserie, dann hätten auch die Leipziger eine Chance gehabt, bis zum Ende um die Meisterschaft zu spielen. Doch in der Vorrunde wurden ein paar Punkte zu viel liegen gelassen. Wenn das nicht passiert wäre, hätte es jetzt zum absoluten Endspiel um die Meisterschaft kommen können. Aber auch so ist es beeindruckend, was RBL in dieser Saison geleistet hat.

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Ex-Fußballer als Entertainer: Mit seinem ersten Bühnen-Programm "Basler ballert" ist Mario Basler in ganz Deutschland unterwegs. Als nächstes gastiert er am 24. Mai in Görlitz.

Wie verfolgst du unseren Klub?

Ich schaue mir die Leipziger Spiele unheimlich gerne an. Es macht Spaß zu sehen, wie offensiv die Mannschaft agiert und wie sie immer wieder nach vorne marschiert. Bei den meisten Bundesliga-Vereinen hat inzwischen der Torhüter mehr Ballkontakte als ein Feldspieler, weil immer so viel zurückgespielt wird. Die Leipziger machen das anders. Sie spielen immer nach vorne und setzen den Gegner frühzeitig unter Druck. Das ist sehr unterhaltsam für die Zuschauer.

Wenn du also am Samstagnachmittag um 15.30 Uhr auf der Couch sitzt, wählst du anstatt der Konferenz lieber ein RBL-Einzelspiel aus?

Das kommt auf den Spieltag drauf an. Wenn Bayern auf Dortmund trifft, oder Dortmund auf Schalke, dann schaue ich natürlich diese Partien. Aber wenn die Konstellation zum Beispiel so ist, dass Leipzig gegen Bremen spielt, dann schaue ich mir diese Partie lieber an als die Konferenz, bei der vielleicht Bayern gegen Düsseldorf und Dortmund gegen Freiburg läuft.

Hast du einen Leipziger Lieblingsspieler?

Ich möchte ungern einen Namen herauspicken, weil die ganze Mannschaft richtig guten Fußball zeigt. Das Team ist sehr gut zusammengewachsen und profitiert genau davon. Natürlich schwärmt jeder von Yussuf Poulsen und Timo Werner. Aber auch ansonsten können sich immer wieder andere Jungs in Szene setzen – zum Beispiel Marcel Halstenberg, der in den vergangenen Wochen richtig toll aufgespielt hat. 

Du hast selbst zweimal den DFB-Pokal gewonnen – 1994 mit Werder, 1998 mit den Bayern. Kannst du das Gefühl beschreiben, wie es ist, in einem Pokalfinale zu stehen?

Die Atmosphäre ist ganz besonders. Das beginnt schon am Tag vor dem Finale, wenn du durch die Stadt gehst und die Fans langsam eintrudeln. Am Spieltag selbst ist der Weg zum Stadion außergewöhnlich, wenn du die Menschen-Massen siehst und weißt, dass 25.000 Fans deiner Mannschaft da sind. Spätestens, wenn du ins Stadion einläufst und eine gesamte Kurve dir zujubelt, sind das in jedem Fall Gänsehaut-Momente. Obwohl die Leipziger schon das eine oder andere große Spiel erlebt haben, wird das Pokalfinale noch mal eine andere Hausnummer sein.

 

Zur Person:

Mario Basler (50) trug von 1996 bis 1999 das Bayern-Trikot und wurde in dieser Zeit zweimal Meister und einmal Pokalsieger. In der Bundesliga spielte er ebenfalls für Bremen und Kaiserslautern. Insgesamt absolvierte er 262 Erstliga-Partien, erzielte 62 Tore und wurde Torschützenkönig 1995. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 1996 Europameister.

 

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