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"Beim HSV ist nun die Kämpfer-Mentalität gefragt"

Der frühere HSV-Keeper Hans-Jörg Butt (43) im Interview über seinen Ex-Klub und den Trainerwechsel, das anstehende Duell in Leipzig (Samstag, 15.30 Uhr) und die legendären "Butt, Butt, Butt"-Rufe

Herr Butt, Sie haben mit Bernd Hollerbach von 1997 bis 2001 zusammengespielt. Wie schätzen Sie den neuen HSV-Trainer ein?
Bernd Hollerbach ist extrem ehrgeizig. Seine Stärken als Spieler waren der Kampf und die Fitness. Diese Mentalität ist sicher in der jetzigen Situation gefragt. Ich wünsche ihm, dass er den HSV aus dem Abstiegskampf führt – und mittelfristig wieder in obere Tabellenregionen.

Mit 15 Zählern steht der HSV aktuell auf Abstiegsplatz 17. Wie bedrohlich ist die Lage für Ihren ehemaligen Verein?
Nach nur neun Punkten aus den letzten 17 Spielen ist die Lage natürlich sehr ernst. Zum Saisonstart hatten die Hamburger noch sechs Punkte aus zwei Spielen geholt. Dadurch herrschte eine riesige Euphorie im Umfeld. Aber seit mehreren Jahren fehlt die Stabilität. Zwar verfügt der HSV über großartige Voraussetzungen: eine tolle Stadt, ein klasse Stadion mit besonderer Atmosphäre, dazu eine eindrucksvolle Historie. Doch an die früheren Erfolge kann die Mannschaft derzeit nicht anknüpfen.

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Zielsicher: Im Laufe seiner Karriere erzielte Butt 36 Tore per Elfmeter

Hoffnungsträger des HSV ist der erst 18 Jahre alte Angreifer Jann-Fiete Arp. Wie bewerten Sie seine Entwicklung?
Er ist ein sehr gutes Beispiel, dass der HSV eigene Talente entwickeln und hervorbringen kann. Es freut mich sehr, dass er unbekümmert drauflos spielt und erfolgreich ist. Aber man sollte nicht die kompletten Hoffnungen auf den jungen Kerl setzen. Um sein komplettes Potenzial abzurufen, benötigt er die Unterstützung des Teams.

Welche Chancen räumen Sie den Hamburgern in Leipzig ein?
Der HSV hat in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass in der Mannschaft Potenzial steckt und für Überraschungen sorgen kann. Zum Beispiel in der Vorsaison, als man 3:0 in Leipzig gewinnen konnte. Aber solche Top-Leistungen sind eher eine Ausnahme. Deshalb gehen die Hausherren als Favorit in diese Partie. Auch wenn die Leipziger zuletzt in Freiburg verloren haben, stehen sie weit oben in der Tabelle und kämpfen erneut um die europäischen Plätze.

Wie schätzen Sie unseren Keeper Péter Gulácsi ein?
In seiner zweiten Bundesliga-Saison hat sich Péter Gulácsi deutlich stabilisiert. Nicht umsonst setzte ihn das Kicker-Sportmagazin auf Platz eins des aktuellen Torhüter-Rankings der Bundesliga. Er gibt seinen Vorderleuten Sicherheit, weil sie wissen: Da hinten steht einer, der auch die wichtigen Bälle hält, wenn es knapp wird.

 

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Mit dem FC Bayern holte Butt 2010 das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal.

Sie selbst waren nicht nur ein herausragender Torwart, sondern auch ein sicherer Elfmeterschütze (26 Erstliga-Tore). Wie kam es dazu?
Während meiner Zeit beim VfB Oldenburg (dritte Liga) haben wir häufig Elfmeter trainiert. Dabei wollte ich nicht ständig nur im Kasten stehen, sondern habe auch selbst gerne geschossen. Irgendwann kam es zur Situation, dass unser sonstiger Schütze einen Strafstoß in der Liga nicht verwandelt hat und unsicher wurde. Beim nächsten Elfmeter, der für uns gepfiffen wurde, hat mich ein Teamkollege spontan nach vorne gerufen. Abgesprochen war das nicht. In diesem Spiel gab es gleich zwei Elfmeter – ich habe beide verwandelt, und wir gewannen 2:0.

Und während Ihrer Bundesliga-Zeit?
Auch dort hatte ich nie das Ziel, Elfmeterschütze Nummer eins zu werden. Doch es entwickelte sich eine ähnliche Situation wie in Oldenburg. Zunächst verschoss unser sonstiger Schütze Anthony Yeboah einen Elfer. Danach kam der damalige HSV-Trainer Frank Pagelsdorf auf mich zu und fragte, ob ich nächstes Mal schießen wolle. So wurde das zum Selbstläufer.

Von 1997 bis 2001 spielten Sie beim HSV, gewannen später mit dem FC Bayern die Meisterschaft und den Pokal. 2012 beendeten Sie Ihre Karriere. Was machen Sie inzwischen?
Auch nach meiner Zeit beim FC Bayern wohne ich weiterhin in München und bin im familieneigenen Betrieb tätig. Wir stellen Verladesysteme her – Verladerampen und Industrietore. Der Standort unseres Unternehmens ist in Norddeutschland. Ich kümmere mich um Süddeutschland und Österreich.

Wenn Sie früher zum Elfmeter antraten, wurden Sie mit lautstarken „Butt, Butt, But“-Rufen gefeiert. Und heute?
In meinem neuen Job ist es jetzt nicht so, dass mich die Kunden ständig mit „Butt, Butt, Butt“ empfangen. (lacht) Ab und zu gibt es diese Rufe schon noch, wenn ich zum Beispiel für eine Traditionself auflaufe. Bei einigen Fans hat sich das eingeprägt. Aber je größer der Abstand zu meiner aktiven Zeit wird, desto seltener ist „Butt, Butt, Butt“ zu hören.

 

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Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 2002 Vize-Weltmeister und 2010 WM-Dritter.
20. Spieltag, 1. Bundesliga
RB Leipzig

SA

27. JAN

Hamburger SV
15.30 Uhr
Red Bull Arena , Leipzig
387 Bundesliga-spiele
absolvierte Hans-Jörg Butt.
Die Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen den HSV!
Speedy Timo Werner beim Hinspiel-Erfolg beim HSV!

Zieht euch warm an!

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