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12. Erinnerungstag im Deutschen Fußball

Gedenken an die Opfer des National-sozialismus | Initiative gegen Diskriminierung und Gewalt im Fußballstadion

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Dieser Tag jährte sich nun zum 71. Mal und ist der Erinnerungstag für die Opfer des nationalsozialistischen Terrors, denen in diesen Tagen auch die Vereine im deutschen Fußball – zusammen mit ihren Fans – gedenken, damit dies „Nie wieder“ geschieht.

RB Leipzig setzte zum Heimspiel gegen Braunschweig – gemeinsam mit seinen Fans – aktiv dieses Zeichen: für die Würde jedes Menschen, für eine Kultur des Verstehens und gegen Rassismus, Diskriminierung und Sexismus im Sport und in unserer Gesellschaft.

Gemeinsam Zeichen mit dem FC St. Pauli:

Zum Auswärtsspiel in Hamburg machten wir, zusammen mit dem FC St. Pauli, erneut auf Vielfalt, Toleranz und Respekt aufmerksam. Unser Vorstandsvorsitzender Oliver Mintzlaff und Pauli-Präsident Oke Göttlich verlasen dazu vor dem Anpfiff eine gemeinsame Erklärung.

Hierin sprachen sich beide Vereine klar gegen Gewalt in jeglicher Form, gegen Rechtsextremismus, Fremdenhass und Ausgrenzung aus.

Oliver Mintzlaff:

Die Entwicklung in Deutschland in den letzten Monaten, die Verrohung der Gesellschaft, der Hass gegen Fremde und die Zunahme von Gewalttaten gehen auch an uns nicht spurlos vorüber.
 
Aus diesem Grund wollen wir heute Abend gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt jeglicher Art und Fremdenhass setzen. Vor wenigen Tagen haben wir der Befreiung Ausschwitz und der Millionen Opfer des Holocaust gedacht und sind uns in einem einig: NIE WIEDER!

Oke Göttlich:

MMit dem Schriftzug „Kein Fußball den Faschisten“ auf den Trikots setzen unsere Spieler heute am Millerntor ein deutliches und sichtbares Zeichen für unser gesellschaftspolitisches Engagement. Auch uns als Vertreter der beiden Clubs verbindet die ganz klare Haltung:

Wir haben in unserer Gesellschaft keinen Platz für rechtsextremes Gedankengut, für Antidemokraten, für Gewalt jeglicher Art, Diskriminierung und Ausgrenzung. Wir stehen für Vielfalt, für Toleranz und Respekt. Kein Fußbreit den Faschisten. Kein Vergeben, kein Vergessen!


Wie begann alles?
Am 19. April 1933 las die interessierte deutsche Öffentlichkeit im „kicker“: „Der Vorstand des DFB hält Angehörige der jüdischen Rasse in führenden Stellungen der Vereine nicht für tragbar.“ Zügig wurde die Verlautbarung von den meisten Vereinen umgesetzt. Spieler, Vorstände, großzügige Förderer und einfache Vereinsmitglieder jüdischer Herkunft sowie politisch Andersdenkende, sie alle gehörten von einem Tag auf den anderen nicht mehr dazu.

Dieses Unrecht traf die Ausgestoßenen tief.
In Briefen an ihre Clubs sprechen sie über ihren Schmerz. Der deutsche Nationalspieler Julius Hirsch schrieb an seinen Karlsruher FV: „Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass es in dem heute so gehassten Prügelkinde der deutschen Nation auch anständige Menschen und auch viel mehr national denkende und durch das Herzblut vergossene deutsche Juden gibt.“

Die Töchter von Fritz Kerr, Trainer der Stuttgarter Kickers, und Jenö Conrad, Trainer des 1. FC Nürnberg, berichteten in ihren Gesprächen mit Fans sowie Schülerinnen und Schülern über die tiefen Verletzungen ihrer Väter. Und alle, die aus der Vereinsfamilie verstoßen wurden, spürten diesen Schmerz. Ihre Seelen waren tief verletzt, ihre Sportkarrieren kaputt und ihr Leben und das ihrer Familien bedroht.

Alle vom Vereinsausschluss Betroffenen waren der nationalsozialistischen und der üblichen Willkür deutscher Bürgerinnen und Bürger ausgesetzt. Wer nicht fliehen konnte, über den senkten sich Ausgrenzung, Entwürdigung und Rechtlosigkeit. In den Konzentrationslagern von Dachau, Auschwitz, Majdanek und in den anderen Vernichtungslagern wurde den meisten von ihnen das Leben geraubt.

Die Trauer, der Schmerz und der Zorn über das Unrecht, das man diesen verfolgten und ermordeten Mitgliedern der Fußballfamilie vor rund 80 Jahren angetan hat, wirkt bis heute, besonders bei den Angehörigen der Opferfamilien.

Der Zivilisationsbruch und das damit einhergehende Leid der Opfer und ihrer Familien fordert die Nachgeborenen auf, sich heute für das „Nie wieder!“ entschieden und auf Dauer einzusetzen. 

Mit den klugen und kreativen Aktionen der Fans, der Fanprojekte, der Vereinsmuseen, der Amateur- und Proficlubs und ihrer Berufsorganisationen zum “12. Erinnerungstag im deutschen Fußball 2016“ wird ein unübersehbares Zeichen gesetzt. Der Fußball und die Zivilgesellschaften werden stärker, wenn mit dem Gedenken an die Opfer des Nazi- und des Neonaziterrors sich ein klares Bekenntnis zur Würde jedes Menschen und zu ihrer Unverletzlichkeit verbindet.

Das „!Nie wieder“ 2016 ruft auf, sich entschieden in der Kurve und an jedem andern Ort dagegen zu stellen. Der Fußball darf nicht missbraucht werden.

Das „!Nie wieder“ 2016 heißt, die Stimme zu erheben gegen verbale und körperliche Bedrohungen der jüdischen Freunde von Makkabi Deutschland und aller europäischen Juden.

Das „!Nie wieder“ 2016 erinnert auch Fußball-Deutschland an „Refugees Welcome“ und somit daran, Flüchtlinge zu unterstützen. Der Fußball kann das. Viele „Herzblut- Initiativen“ aus den Fanszenen und aus den Amateur- und Profiligen praktizieren das eindrucksvoll. Die Erfahrungen zeigen, dass in der Regel alle gewinnen, die Flüchtlinge wie die Einheimischen.

Der Gründungsimpuls des „Erinnerungstag im deutschen Fußball“ kommt aus Italien. „Per non dimenticare!“ - Lasst uns nicht vergessen! Dieses Anliegen verstand der Ideengeber Riccardo Pacifici, dessen Großeltern in Auschwitz ermordet wurden, als eine gesamt-europäische Aufgabe. Sie gegen alle aktuellen Krisen und Widerstände im Fußball und in den Zivilgesellschaften umzusetzen, ist Aufgabe für alle, die aus der Geschichte gelernt haben.
 

Textquelle: Initiative "!Nie wieder"

Initiative „!Nie wieder“

Homepage „!Nie wieder": www.niewieder.info

Einen klaren Blick auf das, was verschwommen und Angst machend sich vor unseren Augen abspielt, tut in diesen Zeiten not. In solchen Gemengelagen ist es klug, sich zu orientieren und sich dann zu positionieren, „wenn Gutes bewirkt werden soll“. Das ist der Kontext, in dem die Spiel- und Turniertage um den 27. Januar 2016 stehen.

Der Fußball entfernte ebenfalls zum Beispiel jüdische sowie auch politisch andersdenkende Mitglieder aus seinen Vereinen. Wenige schützten sie. Kaum einer nahm für sie Partei.  

Damit das „Nie wieder“ geschieht, wenden wir uns entschieden gegen jene, die den Fußball mit antisemitischen und rassistischen Parolen und Aktionen vergiften und missbrauchen. Die empörenden und verstör-enden Übergriffe der vergangenen Monate zeigen, wie notwendig dieses Engagement ist. 

Mit den Aktionen der Fans und der Vereine zum „Erinnerungstag im deutschen Fußball“ wird hier und heute ein starkes Zeichen gesetzt: Für eine Kultur des Verstehens und für ein demokratisches Gemeinwesen, in denen die Würde jedes Menschen geachtet und verteidigt wird. 
 

Textquelle: Initiative "!Nie wieder"

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