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"Mein erstes Pflichtspiel für die Roten Bullen? Ein unglaublicher Moment!"

Joshua Kimmich spricht im Interview über seine Verletzung und die erste RBL-Zeit | Kimmich und Bredlow für die DFB-U19 nominiert

Der Sprung vom Jugend- in den Profifußball, der Wechsel zu einem neuen Verein und damit neue sportliche und persönliche Herausforderungen, dazu eine hartnäckige Schambeinentzündung, die zu fünf Monaten Zwangspause führte – hinter Joshua Kimmich liegen vielleicht die ereignisreichsten, schwersten, aber auch prägendsten Monate seiner noch jungen Laufbahn.

Doch der 18-jährige Mittelfeldspieler hat sich durchgebissen und in die Mannschaft gekämpft und gezaubert. Wir haben mit dem neuen U19-Junioren-Nationalspieler über die Folgen seiner Verletzung sowie die Rückkehr bzw. den Start ins Profileben gesprochen und ihm entlockt, wer für ihn in der Mannschaft eine besondere Rolle spielt.

Seit dieser Woche hat Joshua auch seine eigene Facebook-Fanseite!

Joshua, nach der Zwangspause durch deine hartnäckige Schambeinverletzung hast du dich trotz deines jungen Alters schnell in die Startelf gespielt – das kam schon etwas überraschend, oder?

„Ich bin einfach nur froh, dass ich wieder spielen kann! Ich musste in meiner Laufbahn noch nie so eine lange Pause einlegen. Als ich Anfang der Saison von der A-Jugend des VfB Stuttgart zu RB Leipzig wechselte, bin ich davon ausgegangen, dass ich nach zwei Wochen wieder fit bin.

Doch es war mir gar nicht bewusst, dass die Verletzung so langwierig ist. Jetzt bin ich fit, aber dass es gleich so gut läuft, hat mich selbst überrascht!“
 

Wie hast du die Verletzungspause gemeistert?

„Es war eine schwierige Phase für mich. Aber das Betreuerteam um unsere Physiotherapeuten und Athletiktrainer haben mir sehr geholfen. Wir hatten von Anfang an einen guten Draht zueinander und konnten deshalb zielstrebig und vertraut zusammenarbeiten.

Außerdem waren natürlich meine Familie und Freunde ein wahnsinnig wichtiger Rückhalt für mich. Denn es gab schon einige Phasen, in denen ich viel gegrübelt habe. Das Gleiche gilt für unsere Mannschaft, die es mir leicht gemacht hat, mich zu integrieren. Eine große Stütze im Team ist besonders Fabio Coltorti, an dem ich mich orientieren konnte. Der Jüngste am Ältesten sozusagen (grinst).“


Warum gerade Fabio?

„Wir waren im Trainingslager zusammen auf einem Zimmer. Er hat viel mit mir gesprochen. Außerdem bringt er eine Menge Erfahrung mit. Fabio musste in seiner Karriere ähnliche Situationen durchmachen wie ich. Auch jetzt versuche ich noch viel mit ihm zu sprechen. Er gibt mir nützliche Tipps – gerade im psychischen Bereich.“

Neben der Verletzung gab es auch andere Hürden für dich zu überwinden: Du spielst erstmals im Profibereich und gleichzeitig in einer neuen Mannschaft, bist zudem der jüngste Spieler im Kader. Wie hast du es trotz der langen Pause geschafft, dich durchzusetzen?

"Mein Umfeld gibt mir den nötigen Rückhalt. Das Wichtigste aber, auch wenn es abgedroschen klingt: Man muss an sich selbst glauben und sich gleichzeitig jeden Tag aufs Neue durchbeißen!

Als ich nach Leipzig wechselte, wusste ich, was ich drauf habe. Dass ich aggressiv gegen den Ball arbeiten und gleichzeitig auch die gewisse Ruhe ins Spiel bringen kann. Hier habe ich mich Stück für Stück weiterentwickelt und gelernt, in gewissen Situationen noch schneller umzuschalten. In der Jugend hast du als Spieler viel mehr Zeit, den Ball länger am Fuß zu führen. Im Männerbereich spielst du bedeutend körperbewusster und schneller. Genauso ist mehr Intuition gefragt.


Sportlich hast du einen Sprung nach vorne gemacht – wie sieht es persönlich aus?

„Dort natürlich auch. Ich bin das erste Mal im Leben auf mich alleine gestellt und von der Familie weg. Hinzu kommt eine neue Umgebung, die erste eigene Wohnung. Man kommt nach Hause und es steht eben nicht gleich das Essen auf dem Tisch oder der Kühlschrank ist voll. Das ist natürlich auch ein Lernprozess.“


Würdest du sagen, dass die Verletzung Fluch und Segen zugleich waren, weil du gelernt hast, als junger Spieler mit einer geballten Ladung von „Extremsituationen“ zurechtkommen zu müssen?

„Ich denke nicht. Ohne die Verletzung wäre mir sicherlich vieles einfacher gefallen. Ich hab versucht, es trotzdem so positiv wie möglich zu nehmen und das Beste draus zu machen, weil es nichts bringt, daran zu verzweifeln.“


Kannst du dich noch an den Moment erinnern, als du das erste Mal für die Roten Bullen in einem Pflichtspiel auflaufen durftest?

„Natürlich! Das war gegen Unterhaching. Es ging wahnsinnig schnell. Kurz nach der Halbzeitpause riefen auf einmal alle meinen Namen und ich wusste gar nicht, was auf mich zukommt – was im Endeffekt ganz gut war, denn dadurch hatte ich keine Zeit, mir unnötig Gedanken zu machen. Ich bin einfach aufs Spielfeld gelaufen und habe drauflosgespielt – ein unglaublich schöner Moment!“

Wie siehst du deine Rolle in der Ersten?

“Wenn man so lange verletzt ist, ist es ein enormes Glücksgefühl, wieder spielen zu dürfen – ganz egal für welche Mannschaft. Hauptsache man steht wieder auf dem Platz. Für mich war es wichtig, in der U19 Spielpraxis zu sammeln. Vielleicht war ich dort auf den ersten Blick wichtiger, weil sich die Jungs an mich orientiert haben. Aber ich versuche auch in der Ersten Anweisungen zu geben und lautstark zu agieren und mich mehr und mehr zu einem Teamführer zu entwickeln.“


Am Samstag steht das nächste Top-Spiel für euch an, wo ihr im direkten Duell gegen den SV Darmstadt euren Vorsprung von zwei auf fünf Punkte ausbauen könnt. Was ist drin für euch?

„Klar ist es auswärts und es erwartet uns ein enthusiastisches Publikum. Aber wenn wir an die Leistung von Dortmund anknüpfen oder auch an die von Heidenheim, wo wir sehr laufstark waren und sehr gut gegen den Ball gespielt haben, denke ich schon, dass für uns was zu holen ist.“


Nach dem Top-Spiel steht für dich gleich der nächste Höhepunkt an. Du wurdest zum Nationalmannschaftslehrgang der U19 eingeladen.

„Es ist für jeden Spieler eine Ehre, für sein Land spielen zu dürfen – gerade für Deutschland, was ein richtiges Fußballland ist. Umso mehr habe ich mich natürlich über die Nominierung gefreut, die mir gleichzeitig auch nochmals einen zusätzlichen Ansporn gibt.“


Besondere Auszeichnung!

Joshua Kimmich wurde zudem zum ersten Mal für den U19-Lehrgang nominiert (zuvor machte er zwei U17- und fünf U18-DFB-Länderspiele).

Auch unser U19-Torhüter Fabian Bredlow wird erstmals bei den Länderspielen gegen Frankreich (10. bis 17. November im französischen Bayonne & Saint-Jean-de-Luz) dabei sein!

352
Minuten stand Joshua Kimmich insgesamt in fünf Spielen auf dem Platz
7 Mal
lief der 18-Jährige im DFB-Junioren-Nationaltrikot auf

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