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"Wir sind ein eingeschworener Haufen und bereit für die neue Saison!"

Doppelinterview mit RB-Trainer Alexander Zorniger und Bullen-Kapitän Daniel Frahn | Das Magazin zum Download

Mit einem neuen Cheftrainer, sieben Neuzugängen (davon vier in der Startelf) und nach zehn Testspielen startete unsere Mannschaft am letzten Sonntag gegen Union Berlin II mit einem 1:1-Unentschieden in die NOFV-Regionalliga-Saison 2012/13. RB-Trainer Alexander Zorniger und Bullen-Kapitän Daniel Frahn analysierten zuvor die Vorbereitung und blickten auf die bevorstehenden Aufgaben.

Alex, du bist seit knapp sechs Wochen in Leipzig und warst ständig auf dem Fußballplatz. Hast du überhaupt schon etwas von der Stadt gesehen?


Alexander Zorniger: Na ja, viel Zeit war tatsächlich noch nicht. Aber ich war zumindest schon drei- oder viermal am Cospudener See, und an einem der wenigen trainingsfreien Tage habe ich am Völkerschlachtdenkmal ganz entspannt in der Sonne in einem Sportmagazin geblättert. Der erste Eindruck von Leipzig ist sehr positiv - eine angenehme Stadt mit angenehmen Menschen.


Daniel Frahn (grinst verlegen): Da hat mir unser Trainer einiges voraus! Ich hab es bisher weder an den Cossi noch ans Völkerschlachtdenkmal geschafft - aber ich kann einige gute Cafés und Restaurants empfehlen!


Zwei Szenen in unserem Stadion umrahmen die vergangene Saison: dein Jubel nach den drei Toren und der Pokalsensation gegen Wolfsburg und deine Tränen nach dem verpassten Aufstieg gegen die „kleinen“ Wölfe! Welche Bilder wünschst du dir für diese Saison?


Daniel Frahn: Keine Frage ? wir alle wollen wieder solche Spiele wie gegen Wolfsburg im Pokal erleben, so jubeln und im dritten Anlauf den Sprung in Liga 3 schaffen. Dafür haben wir in der Vorbereitung geschuftet. Die Begeisterung bei den Fans ist weiterhin ungebrochen.


Zum Beispiel haben wir schon jetzt mehr Dauerkarten als in der Vorsaison verkauft. War das zu erwarten?
 

Daniel Frahn: Die Befürchtung war schon da, dass der Zuspruch nach dem verpassten Aufstieg etwas nachlässt. Die Erwartungen unserer Fans sind berechtigterweise hoch, und es war Wahnsinn, wie sich die Zuschauerzahlen entwickelt haben - vor allem auch auswärts. Dass die Begeisterung ungebrochen ist und sogar weiter steigt, spüren wir auch als Mannschaft, und das ist ein wichtiges Signal.
 

Wie fällt das Fazit der Vorbereitung aus?
 

Alexander Zorniger: Ich bin wirklich mehr als zufrieden! Ich wusste, dass mich in Leipzig eine Aufgabe mit einer ganz anderen Größenordnung erwartet. Davor habe ich großen Respekt, da die Erwartungen auch dementsprechend sind. Aber letztendlich ticke und arbeite ich überall gleich - egal ob in der Verbandsliga mit Gmünd, in der Champions League mit Stuttgart oder jetzt in Leipzig. Die Mannschaft und das ganze Umfeld haben mich sehr positiv aufgenommen - obwohl ich der vierte Trainer im vierten Jahr bin. Jeder im Verein gibt Gas für den Erfolg.
 

Und aus sportlicher Sicht?
 

Alexander Zorniger: Die Mannschaft setzt unsere Spielphilosophie immer besser um, wenn auch noch lange nicht perfekt. Wir können immer Tore schießen, selbst wenn es spielerisch nicht läuft, und mit diesem Selbstvertrauen sollen die Spieler in die Spiele gehen. Unser Ziel ist es, jede Mannschaft auf dem Platz zu beherrschen und ihr unser Spiel aufzuzwingen - egal wo! Aber natürlich müssen wir auch immer  die Stärken der Gegner beachten, und es darf uns nicht passieren, dass wir zum Beispiel nach Standards eine Kiste bekommen, obwohl das als  Stärke des Gegners bekannt war.
 

Daniel Frahn: Wir haben in der Mannschaft eine super Stimmung und sind weiterhin ein eingeschworener Haufen mit einem klaren Ziel!
 

Wie haben sich unsere sieben Neuzugänge in die Truppe integriert? Habt ihr eigentlich irgendwelche Kabinenrituale für die Neuen?
 

Daniel Frahn (lacht): Nein, bei uns muss keiner singen oder tanzen. Alle Neuzugänge gehörten sofort zur Mannschaft, und man hat das Gefühl, als wären sie schon immer dabei. Das betrifft auch das Trainer- und Betreuerteam, das passt!
 

Alexander Zorniger: Für mich waren ja alle Spieler neu, und alle ziehen total mit. Man merkt den Jungs an, dass Fußball für sie mehr als nur ein Job ist. Allerdings ist es mir schon fast zu harmonisch, das Team muss untereinander kritischer werden, auch mal Widerstände überwinden. Wenn ich zum Beispiel auf dem Platz dreimal einen Fehler meines Mitspielers ausbügeln muss, muss ich ihn auch mal in den Arsch treten!
 

Die Qualität im Kader ist enorm! Hast du schlaflose Nächte, wenn du über die Startelf grübelst?
 

Alexander Zorniger: Wir sind wirklich auf allen Positionen doppelt gut besetzt - ein sehr belebender Konkurrenzkampf. Es ist aber letztlich nicht nur die fußballerische Qualität, die entscheidet. Ich muss abwägen, ob ein Spieler der Mannschaft vielleicht mehr hilft, weil er mal aufrütteln kann, auch wenn er nicht jeden Pass exakt spielt. Wir haben mit unserem Kader viele Möglichkeiten, und deshalb schlafe ich eher gut. Daniel hat es schon angedeutet, auch im Betreuerteam hat es einige Veränderungen gegeben. Unser neuer Athletiktrainer Tim Lobinger ist ja als ziemlicher Tüftler bekannt!
 

Daniel Frahn: Stimmt! Wir kamen schon in den Genuss einiger interessanter Übungen. Doch das macht das Training immer wieder spannend, auch wenn wir uns schon manchmal wundern, wenn irgendwelche Hämmer vor dem Kabinentrakt liegen.
 

Wie ist es für euch Spieler, wenn sich mit einem neuen Trainerteam einige Dinge verändern?

Daniel Frahn: Wir nehmen alles sehr positiv auf und vor allem an. Denn alles, was neu oder anders ist, ist spannend und kann uns meist nur weiterhelfen. Jeder Spieler ist bereit, Neues zu lernen und zu nutzen.
 

Alexander Zorniger: Grundsätzlich möchte ich noch einmal sagen, dass jeder Trainer seine Daseinsberechtigung hat. Der eine trainiert eben dreimal am Tag mit einem Kraftzirkel, der andere wirft nur einen Ball aufs Feld und lässt die Jungs kicken. Am Ende entscheiden die Ergebnisse. Mir ist es wichtig, die Spieler auch vom Kopf her zu erreichen und ihnen zu vermitteln, dass ich sie weiterbringen kann. Die Jungs sollen die richtige, positive Einstellung haben, morgens aufstehen und sich aufs Training freuen!
 

Ist das so?
 

Daniel Frahn: Definitiv! Wie der Trainer sagte - der Kopf ist sehr wichtig, und der ist absolut frei, auch wenn die Beine in der Vorbereitung oft sehr schwer waren. (Beide lachen.) Ich habe nach dem Aufstehen richtig Bock auf Fußball. Das war in unserem ersten Regionalligajahr zum Beispiel nicht immer der Fall.
 

Du bist auch in diesem Jahr wieder Kapitän der Mannschaft und inzwischen bei den Fans noch beliebter, weil du - trotz des Nichtaufstiegs - schnell signalisiert hast, in Leipzig bleiben zu wollen. Zwei Gründe, stolz zu sein, oder?
 

Daniel Frahn: Ja! Es ist ja auch keine Floskel, dass ich mich in Leipzig und bei den  Roten Bullen wahnsinnig wohl fühle und weiterhin von unserem Weg überzeugt bin. Dass ich auch beim neuen Trainer Kapitän sein werde, hat mir Alex Zorniger schon früh signalisiert. Die Binde hat mir für meine Entwicklung sehr gut getan, deshalb bin ich glücklich, die Jungs auch in dieser Saison anzuführen.

Wir gehen als Favorit in diese Spielzeit. Wen habt ihr noch auf der Rechnung um Platz eins?
 

Alexander Zorniger: Jena wird als Absteiger aus Liga drei eine gute Rolle spielen, trotzdem deren Vorbereitung nicht optimal war. Auch Mannschaften wie Zwickau und Magdeburg traue ich einiges zu.
 

Daniel Frahn: Ich denke auch, dass Zwickau einer der stärksten Konkurrenten sein dürfte. Der FSV hatte schon im Vorjahr eine starke Mannschaft und hat sich weiter verstärkt. Außerdem kann sich dort jeder Gegner auf einen heißen Tanz einstellen - wir kennen das ja bereits! Ein Höhepunkt sind ganz klar auch die Derbys gegen Lok! Ein Stadtderby hat immer etwas Besonderes, das werden garantiert Fußballfeste.
 

Eine Frage zum Abschluss, Alex. Du wirkst akribisch und bist mit tausend Prozent dabei. Bist du ein Fußballverrückter?
 

Alexander Zorniger: Na ja, als verrückt würde ich mich nicht bezeichnen. Aber seitdem ich mit elf Jahren bei den D-Junioren angefangen habe, steht Fußball bei mir im Mittelpunkt. Zur großen Spielerkarriere hat es nicht gereicht - es fehlte mir nicht an Herz, aber an Talent. Als Trainer kann ich meine Leidenschaft für den Fußball nun als Beruf ausüben - besser gehts nicht!´
 

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